2011 Bergamasker Alpen

Sentiero delle Orobie

Die „Alpi Orobie“ (Bergamasker Alpen) sind für Bergsteiger aus Deutschland in der Regel ein weißer Fleck auf der Landkarte. Das zeigt sich deutlich daran, dass in den Hüttenbüchern bis zu zwei Jahre lang keine Besucher aus dem deutschsprachigen Raum zu finden sind. Dabei bietet diese Gebirgsgruppe am Südrand der Alpen ein bestens ausgebautes Wegenetz, eine imposante Bergwelt und viele gut bewirtschaftete Hütten, in denen auch in der Hauptsaison keinerlei Gedränge herrscht.
Neun Bergsteiger aus Laupheim hatten sich zum Ziel gesetzt, den westlichen Teil dieses Gebirges auf dem „Sentiero delle Orobie“ zu durchqueren. Sie erlebten eine Woche auf anspruchsvollen Pfaden durch eine wilde, einsame Landschaft, wobei Begegnungen mit anderen Wanderern die absolute Ausnahme waren. Die einzigen Lebewesen am Wege waren meist riesige Schaf- oder Ziegenherden mit den dazu gehörenden Wachhunden.
Nach einer abenteuerlichen  Anfahrt mit heftigem Schneesturm am Splügenpass und der ersten Übernachtung im Valle Brembana nördlich von Bergamo startete die Gruppe die Wanderrunde mit dem langen Aufstieg  durch das Valle di Cassiglio zum Pizzo Baciamorti. Vom Gipfel bot sich ein herrlicher Blick auf die vergletscherten Berge von Wallis, Bergell und Bernina und nach Süden die Aussicht bis hinab in die Po-Ebene.  Zwei Stunden später war das futuristisch aussehende Rifugio Nicola erreicht, wo die Laupheimer nach Einbruch der Dunkelheit ein weiterer Höhepunkt erwartete: Unter dem Sternenhimmel lag das Lichtermeer der Dörfer und Städte der Emilia Romagna, wobei die Ballungszentren von Turin und Mailand deutlich auszumachen waren.
In den nächsten Tagen folgte die Gruppe dem gut markierten und ausgebauten Höhenweg von Hütte zu Hütte. Dabei wurden trotz schwerem Gepäck täglich mehr als 1000 Hm bewältigt, steile Fels- und Grashänge traversiert und viele Pässe überquert. Vorbei am
Passo San Marco, der Verbindung vom Bergell nach Bergamo, erreichte man nach Durchquerung des Skigebiets von Foppolo schließlich beim Rif. Longo einen der schönsten Plätze der Woche. Unterhalb der Hütte sonnten sich fette Murmeltiere, am Himmel kreisten zwei Adler und am nahen Lago Diavolo standen Steinböcke und schlängelte sich eine Kreuzotter über den Weg. Dazu kam ein Essen, das jedem Restaurant  Ehre machen würde. Der Weiterweg am folgenden Tag brachte nochmals eine Reihe landschaftlicher Höhepunkte. Auf schmalen Steigen ging es zunächst zum herrlich gelegenen Rif. Calvi und anschließend vorbei an vielen Stauseen.
Diese werden teilweise seit über 60 Jahren zur Energiegewinnung genutzt und sind längst zum Bestandteil der Landschaft geworden. An zweien dieser Seen liegt das Rif. Laghi Gemelli, die letzte Hütte der Woche, wo abends der erfolgreiche Anschluss der Tour gefeiert wurde.
Der letzte Tag brachte schließlich noch den steilen Abstieg ins Valle Brembana und die lange Heimfahrt über Passo San Marco und Splügenpass – dieses Mal ohne Schneegestöber.

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