2011 Tödi

Auf den Tödi und drum herum


Die Wetterprognosen sind gut für unsere Tödi-Tour vom 7. – 10. April – mit sommerlichen Temperaturen fast zu gut. Sehr ratsam ist es daher, früh unterwegs zu sein: Zu Viert machen sich Michael, Sebastian (Sebi), Birgit und Birgit (Big) in aller Herrgottsfrühe am Donnerstag um 3 Uhr auf den Weg in die Glarner Alpen.
Für 6.15 Uhr ist die Seilbahn vom Urnerboden zum Fisetenpass (2036 m) bestellt, mit der wir kraftsparend die ersten 700 Höhenmeter zurücklegen. In der Morgendämmerung geht es gemächlich steigend über das Rund Loch (2287 m) zum Gemsfairenstock, wo wir in 2972 m Höhe unser erstes Gipfelziel erreichen. Oben angekommen erfreuen wir uns der schönen Aussicht und – ortsunkundig, wie wir sind – fragen wir uns: Wo ist denn nun der Tödi? Etwas peinlich ist es uns ja schon, als Michael uns aufklärt, dass wir direkt davor stehen. Wow: Was für ein toller Klotz! Die Vorfreude, diesen Berg zu besteigen ist groß!
Inzwischen ist es so warm geworden, dass wir uns kurzärmlig (mit Sonnenschutzfaktor 50!) durch musigen Schnee kämpfen. Ständiges Abrutschen wechselt sich mit Tragestellen ab. Doch wir freuen uns über das schöne Wetter, das uns noch ein herrliches Sonnenbad vor der Fridolinshütte beschert. Von der Hütte aus können wir bereits den ersten Teil unserer Aufstiegsroute zum Tödi einsehen.
Am Freitag wollen wir früh los, doch der Wecker meint es gut mit uns und versagt seinen Dienst. Eine Stunde später als geplant – dafür frisch und fit –  starten wir gegen 6 Uhr und laufen noch im Dunkeln los. Den ersten Gletscherbruch lassen wir bald problemlos hinter uns – anseilen war nicht nötig. Wie wir schon am Tag zuvor gesehen haben, ist der zweite Gletscherbruch mangels Schnee nicht
begehbar. Wir müssen rechts daran vorbei über die schmale Schneerus. Das erste Stück der stellenweise über 40° steilen Rinne steigen wir noch mit den Skiern auf, dann geht es mit Steigeisen und Pickel weiter steil bergauf. Auch diese Hürde überwinden wir ohne Schwierigkeiten. Oben angekommen können wir weiter seilfrei mit den Skiern über den breiten Bifertenfirn aufsteigen. In ca. 3100 m Höhe zweigt die Spur rechts ab, zum Gipfel des Tödi, den Piz Russein (3614 m).
Der Tödi gehört uns alleine! Strahlend blauer Himmel und wir zu Viert auf dem Gipfel! Wir genießen die grandiose Aussicht und nehmen schon einmal unser morgiges Domizil, die Planuarahütte, in Augenschein.
Die Abfahrt gestaltet sich etwas schwieriger als der Aufstieg. Der erste Hang unterhalb des Gipfels ist bereits so weich, dass jeder Schwung zum Abenteuer wird. Dann ein schönes, gerade richtig aufgefirntes Stück bis zum zweiten Eisbruch, wo wir wieder den Glauben an unser skifahrerisches Können zurück gewinnen. Die steile Eisrinne rutschen wir mit den Skiern vorsichtig ab – Fallen verboten! Hier ist der Schnee noch „bockelhart“ und graupelig. Aber wir kommen alle gut hinunter. Das letzte Stück bis zur Hütte dann im Schatten – sehr hart und unangenehm zu fahren. Doch die Gipfel-Glückshormone halten uns bei guter Laune und bringen uns gesund und glücklich zur Mittagszeit zurück zur Hütte, wo die Anstrengung mit leckerem Milchschaumkaffee und frisch gebackenem Kuchen (aber bitte mit Sahne!) belohnt wird.
Am Samstag haben wir Zeit. Ohne Hektik brechen wir morgens auf und machen uns auf den Weg zur Planurahütte. Zunächst geht es den gleichen Weg wie am ersten Tag zurück bergab. Weiter über den Ochsenstock bis zur Weggabelung auf 2153 m, wo wir ungefähr auf dieser Höhe bleibend um den Tödi herum marschieren. Es folgen noch einmal ca. 900 Meter Aufstieg. Inzwischen scheint die Sonne und der harte Untergrund wird weicher. Als die Hütte schon in Sichtweite rechts über uns auf einem Felsgrat zu sehen ist, beschließen wir, noch eine kleine Zwischenabfahrt einzulegen. Also, die Rücksäcke werden im Schnee deponiert und leicht und locker
schwingen wir auf perfektem Firn ca. 200 Höhenmeter bergab. Ein Genuss! Auch der anschließende Aufstieg so ganz ohne Gewicht auf dem Buckel ist ungewohnt mühelos. Da liegen sie: unsere Rucksäcke im Schnee. Einsam und verlassen – was für ein Bild! Eigentlich hätten sie ja schon mal ein Stück ohne uns voraus gehen können, anstatt darauf zu warten, dass wir sie wieder tragen. Faule Säcke!!!
Die Planurahütte in 2947 m Höhe ist die höchste Hütte in der Ostschweiz und umgeben vom größten vom Wind geformten Schneetrichter Europas, ein sogenannter Windkolk. Ein beeindruckender Anblick! Die urige und gemütliche Hütte bietet wieder einen tollen Blick auf den Tödi und unser morgiges Ziel: den Clariden.
In der Morgendämmerung laufen wir über den Gletscher. Eine unglaublich schöne Stimmung. Wir beobachten wie im Osten langsam die Sonne aufgeht und die Berge im Westen in rotem Licht baden. Bis zum Gipfel des Clariden (3267 m ) sind es ca. 300 Höhenmeter. Nach einer kurzen Pause brechen wir wieder auf, denn auf dem Weg zurück zum Gemsfairenstock, möchten wir noch den Bocktschingel „mitnehmen“. Die Abfahrt vom Clariden ist noch sehr hart, aber weiter unten auf dem Claridenfirn brezelt schon wieder gnadenlos die Sonne und macht den Schnee zum Mus. Deshalb müssen wir den Aufstieg zum Bocktschingel auch abbrechen. Die Spur hält nicht und man rutscht ständig ab. Weiter oben zwischen den Felsen könnte das gefährlich werden. Also fellen wir ab und machen uns auf den Rückweg. Nach einem kurzen Gegenanstieg schafft Michael das Kunststück, die letzten Schneeflecken zu finden, sodass wir mit Ausnahme von ein paar wenigen Tragestellen, bis zum Fisetenpass abfahren können. Wir haben Glück und kommen ohne Wartezeit gleich mit der Seilbahn zurück ins Tal.
Vier wunderschöne Tage auf und um den Tödi herum liegen hinter uns. Wir hatten viel Spaß zusammen und  haben die Tour sehr genossen, die – last but not least – dank Michaels guter Planung und umsichtiger Führung ein tolles Erlebnis war. Dafür ein herzliches Dankeschön!

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