2012 Cordillera Blanca

Jubiläumsausfahrt Cordillera Blanca, Peru

Laguna Churup (4485 m)
24.06.2012
Eine der großen Jubiläumsausfahrten anlässlich des 100 jährigen Jubiläums unserer DAV Sektion SSV Ulm 1846, führte für drei Wochen nach Südamerika, in die Cordillera Blanca in Peru.
Für die fünfköpfige Gruppe aus der Sektion begann die Reise zunächst mit Flügen von München über Amsterdam nach Lima, der Hauptstadt von Peru. Bereits am nächsten Tag ging es in einer achtstündigen Busfahrt von Lima nach Huaraz (3100 m), der zentralen Stadt in der Cordillera Blanca.


Als erste Akklimatisierungstour unternehmen wir eine leichte Wanderung zur herrlich gelegenen Laguna Churup. Vom Hostal fahren wir mit dem Taxi zunächst in etwas mehr als einer Stunde über Schotterpisten nach Pitec (3800 m), dem Ausgangspunkt zur Laguna Churup. Ganz gemütlich und langsam steigen wir in 2 h zur Laguna auf. Leider ist das Wetter nicht allzu gut und es sind dicke Wolken am Himmel. Trotzdem ist der Blick auf die die Churup (5495 m) Südwestwand und die Laguna Churup beeindruckend und schön. 

Wir bleiben fast zwei Stunden an der Laguna und geben unserem Körper Zeit für die Höhenanpassung. Bald danach sind wir wieder beim Taxi in Pitec und wenig später wieder im Hostal in Huaraz.

Sportklettern in Hatun Machay
25.-26.06.2012


Nach der ersten Akklimatisierungstour zur Laguna Churup, geht es nun für zwei Tage in das Sportklettergebiet Hatun Machay in der Cordillera Negra. Neben unbeschreiblich genialen Klettertouren in tollem Fels und sagenhafter Landschaft liegt Hatun Machay vor allem in einer Meereshöhe von 4200 m!!! So können wir einen ganz gemütlichen easy Sportklettertag mit Akklimatisierung kombinieren – kann man sich es besser vorstellen?
Zudem betreibt die Agentur AndenKingdom aus Peru dort oben ein sehr einfaches Refugio. Nach dem schönen Klettertag verbringen wir also auch gleich noch eine Nacht in 4200m und gewöhnen unsere Körper so langsam an die noch kommenden Höhen.

Urus Este (5420 m)
29.06.2012


Nach einigen Tagen der Anreise und ersten Akklimatisierungstouren ging es nun endlich los in die hohen Berge Perus. Es geht für sechs Tage in die Quebrada Ishinca, unweit von Huaraz, der zentralen Stadt der Cordillera Blanca. Schon bei der Anfahrt nach Pashpa macht die Cordillera Blanca, die Weiße Kordillere, ihrem Namen alle Ehre. In gleißendem Weiß stehen die Eisriesen da, wie an einer Perlenkette aufgereiht. Von Pashpa geht es zusammen mit sieben Eseln, welche den Großteil des umfangreichen Gepäcks tragen, in ca. 4 h, durch die traumhafte Quebrada Ishinca, bis in den Talschluss zu unserem Basislager. 

Als ersten höheren Berg unserer Jubiläumsausfahrt in die Cordillera Blanca, konnte die ganze fünfköpfige Gruppe den Gipfel des Urus Este (5420 m) erreichen. Der Urus ist ein sehr einfacher 5000er in der Quebrada Ishinca, einem nahe Huaraz gelegenen traumhaften Tal.
Vom Ishinca Basislager (4400 m) ging es nachts um 04:00 Uhr los. Zuerst über eine schier endlose Moräne später über einen unkomplizierten Gletscher und am Ende über einen breiten Rücken in Schnee und Eis zum Gipfel des Urus Este (5420 m). Nach ca. 4h lag dieser Aufstieg hinter uns und wir konnten die Sonne und die Aussicht am Gipfel genießen. Für zwei aus unserer Gruppe war dies der erste 5000er und somit ein ganz besonderes Erlebnis!!!
Der Abstieg war bald geschafft und wir sind schon gegen 11 Uhr wieder auf den grünen Wiesen unseres Ishinca Basislager.

Tocllaraju (6032 m)
01.-02.07.2012


Nach der einfachen Eingehtour zum Urus (5420), stand nun ein größeres Ziel auf dem Programm. Der formschöne Eisriese des Tocllaraju (6032 m) ist der beherrschende Berg im Talschluss der Quebrada Ishinca. Vom Ishinca Basislager (4400 m) erfolgte aber zunächst der Aufstieg ins Tocllaraju Hochlager (ca. 5100 m). Nach ca. 3 h Aufstieg konnten wir unsere Zelte an einem schönen, windgeschützten Platz auf Fels und Schutt, kurz vor Gletscherbeginn, aufschlagen.
Nach nur wenigen Stunden Schlaf klingelte der Wecker unbarmherzig um 24 Uhr. Nach etwas Frühstück und diversen Vorbereitungen starten wir gegen 01:30 Uhr hinaus in die wunderschöne Vollmondnacht. Der Himmel ist sternenklar, die Temperaturen mit maximal -10 °C sehr mild und vor allem ist es noch nahezu windstill. Ca. 3 h Stunden lang geht es nun über einen zunächst einfachen Gletscher durch die fast taghelle Nacht. Wir benötigen zunächst keinerlei Stirnlampen! Gegen 04:30 Uhr stehen wir vor der Schüsselstelle des Berges. Einem ca. 20 m hohen Steilabbruch am Bergschrund. Inzwischen ist auch der Mond im Westen verschwunden, es ist stockdunkel, der Wind und die Kälte haben deutlich zugenommen und die harten und kalten Stunden bis Sonnenaufgang haben begonnen. Wir haben jedoch Glück und der Steilabbruch hat gute Verhältnisse und er stellt keine allzu großen Probleme dar. Nach weiteren 1,5 Seillängen mit ca. 45 ° ist der Nordwestrücken erreicht. Über ihn geht es bis an den Fuß des Gipfelaufbaus. Nach 3 Seillängen mit ca. 50° am Gipfelaufbau war der Gipfelgrat erreicht und lediglich wenige Meter trennten uns von höchsten Punkt. Nach siebenstündigem Aufstieg standen alle aus unserer fünfköpfigern Gruppe und die zwei Führer gegen 08:30 auf dem Gipfel des Tocllaraju (6032 m)! Für vier aus unserer Gruppe war dies der erste 6000er!
Starker Wind und ein anstehender langer Abstieg bis ins Basislager ließ uns zügig wieder absteigen und abseilen. Erschöpft aber zufrieden und glücklich kamen wir am frühen Nachmittag, nachdem wir das Hochlager abgebaut haben, wieder im Ishinca Basislager an und schon am nächsten Morgen erfolgte der Abstieg und Rückweg nach Huaraz. 

Ein 5000er, ein 6000er und viele, viele Eindrücke und Erlebnisse sind das Ergebnis von sechs Tagen in der wunderschönen Quebrada Ishinca. Außerdem können wir von Glück sagen das wir bisher von Verletzungs-, Gesundheits- und/oder Höhenproblemen verschont geblieben sind.
Was sich allerdings leider bald ändern sollte …

Chopicalqui (6354 m)
06.-08.07.2012


Der Chopicalqui steht in direkter Nachbarschaft zum höchsten Berg Perus, dem mächtigen Huascaran. Die Normalroute auf den Chopicalqui führt aus der Quebrada LLanganuco, mit ihren malerischen zwei Lagunen über ein Moränenlager, ein Hochlager auf dem Kinzl-Gletscher und schließlich über den Südwestgrat auf den Gipfel. Der Berg ist bereits von Huaraz aus problemlos zu sehen und besticht durch seine schöne Form.
Los geht es mit der rund dreistündigen Fahrt zum Ausgangspunkt des Chopicalqui, zunächst durch das Rio Santa hinab bis Yungay, von dort über Schotterpisten hinauf und schließlich durch die Quebrada Llanganuco. Vom Ausgangspunkt (ca. 4200 m) geht es mit den schweren Rucksäcken an den langen, rund vierstündigen Aufstieg ins Moränenlager (4950 m). Doch schon kurz nach dem Basislager (ca. 4400 m), welches wir ausgelassen haben, erfolgt der erste Rückschlag. Rudi zieht sich eine so starke Muskelzerrung zu, dass er den Aufstieg nicht fortsetzen kann. Er steigt alleine wieder ab und gelangt noch in der Nacht nach abenteuerlichen Fahrten zurück nach Huaraz. Für die anderen geht es über schier endlose Moränenkämme weiter hinauf ins Moränenlager.

Am nächsten Tag erfolgt die relativ kurze Etappe hinauf ins Hochlager (5500 m). Das Lager liegt wunderschön in Eis und Schnee auf dem Gletscher, mit herrlichen Blicken zum Huascaran und der Huandoy-Gruppe. Leider ist das Wetter den ganzen Tag schon sehr durchwachsen, und erst kurz vor Sonnenuntergang können wir ein paar Blicke auf die beeindruckende umliegende Bergwelt genießen. Noch scheinen alle körperlich fit zu sein und dem Gipfel sollte bis auf das noch etwas fragliche Wetter eigentlich nichts im Wege stehen. Gegen 18:30 Uhr liegen alle im warmen Schlafsack, denn bereits um 24:00 Uhr ist wieder Aufstehen angesagt. Doch wie aus heiterem Himmel geht es bei mir los, massiver Durchfall und mehrmaliges Übergeben in der Nacht. Gepaart mit leichtem Schneefall und starkem Wind wird das ständige aus dem Zelt Springen zur harten Probe. Auch Michael geht es alles andere als gut und so ist an einen Gipfelversuch von uns beiden leider gar nicht zu denken. So kommt zu den körperlichen Problemen noch die große Enttäuschung hinzu. Bescheidene Stunden im Chopicalqui Hochlager…

Manfred und Ebe geht es jedoch (noch) gut und so brechen sie zusammen mit den beiden Führern gegen 01:00 Uhr bei leichtem Schneefall und starkem Wind zum Gipfel auf. Zunächst über leichtes Gletschergelände zum Col, in dem der eigentliche Südwestgrat ansetzt. Es folgen immer wieder steilere Aufschwünge und vor dem eigentlichen Gipfelaufbau eine länger anhaltende Steilpassage. Inzwischen hat es auch Ebe erwischt und er muss sich noch im Aufstieg zweimal übergeben. Trotzdem erreichen Ebe und Manfred zusammen mit den beiden Führern, nach ca. 5,5 h den Gipfel des Chopicalqui (6354 m) und können die Sektionsfahne auspacken. Das Wetter war aber wie schon während des gesamten Aufstieges alles andere als gut und so bleibt ihnen die berühmte Aussicht leider komplett versagt. Im Schneetreiben machen sie sich sofort wieder an den Abstieg. Aufgrund der guten Ortskenntnisse von einem der Führer konnten die zwingend zu findenden Abseilstellen auch im Schneetreiben schnell und sicher gefunden werden.

Nachdem ich die Nacht also mehr vor als im Zelt verbracht habe, steigen Michael und ich am frühen morgen vom Hochlager gleich wieder ins Moränenlager ab. Nach kurzer Rast beschließen wir, das Zelt erst gar nicht wieder aufzustellen sondern gleich komplett abzusteigen und auf eigene Faust zurück nach Huaraz zu fahren. Nach langem Abstieg und abenteuerlich zustande gekommenen Mitfahrgelegenheiten sind wir am späten Nachmittag wieder in Huaraz.

Für Ebe und Manfred beginnt am Gipfel ein noch viel längerer Abstieg, denn sie steigen am selben Tag die ca. 2200 Hm komplett bis zur Straße ab und kommen noch in der Nacht wieder in Huaraz an. 

So sind wir also alle fünf wieder zusammen in Huaraz und können uns von den Strapazen, Verletzungen und anderen Problemen wieder erholen. Der Chopicalqui wird wohl jedem mit sehr unterschiedlichen Gefühlen in Erinnerung bleiben…

Vallunaraju (5686 m)
10.-11.07.2012


Nach den gemischten Erlebnissen am Chopicalqui war erstmal 1,5 Tage Ruhe und Erholung angesagt, bevor wir zu neuen Zielen aufbrachen. Da wir bis zur Abreise nach Lima nur noch drei Tage Zeit hatten, konnte das letzte Ziel unserer Reise kein allzu großes und langes Unternehmen werden. Wir entschieden uns für den einfachen aber schönen Vallunaraju (5686 m), sozusagen der Hausberg von Huaraz. Mit seinem markanten weißen Doppelgipfel ist er von Huaraz aus an fast allen Stellen deutlich und leicht zu erkennen. Ausgangspunkt für eine Besteigung bildet die Laguna LLaca, welche in einer eineinhalbstündigen Autofahrt von Huaraz aus erreicht wird.
Wir fahren noch am späten Nachmittag hoch zur Laguna Llaca und schlagen dort am Ende der Straße unsere Zelte auf (4450 m). 02:45 Uhr und schon klingelt wieder dieser Wecker. Nach einem Päckchen Travellunch – Frühstück starten wir gegen 04:00 Uhr in die sternenklare und milde Nacht. Der Weg führt gleich von der Straße weg sehr steil nach oben und man kommt gleich ordentlich auf Touren. Nach der ersten Steilstufe folgt eine lange Traverse nach links oben, und nach ca. 2 h haben wir das Moränenlager (4950 m) erreicht. Nach kurzer Rast geht es aber gleich weiter zum Gletscherbeginn (5000 m), welcher über unschwierige Felsplatten in weiteren 20 min erreicht ist.

Inzwischen ist auch die Sonne aufgegangen und ein traumhafter, wolkenloser Tag über der Cordillera Blanca hat begonnen. Eine mehr oder weniger einfache Gletscherwanderung führt in den Sattel zwischen den beiden Gipfeln des Vallunaraju. Ein kurzes steileres Stück direkt vor dem Sattel und ein leicht ausgesetzter Firngrat nach dem Sattel sind die einzigen Stellen an den etwas Vorsicht geboten ist. Nach knapp 6 h erreichen wir gegen 10:00 Uhr den perfekten Aussichtsgipfel des Vallunaraju (5686 m) und genießen das gewaltige Panorama auf die umliegenden großen weißen Eisriesen, auf Huaraz und die gegenüberliegende Cordillera Negra.
Knapp 2 h später sind wir schon wieder unten bei unseren Zelten neben der Straße und am Nachmittag, also lediglich etwas mehr als 24 h nach unserem Aufbruch am Vortag, bereits wieder in Huaraz.

Diese Hochtour auf den Haus-5000er von Huaraz war eine rundum schöne Sache und im akklimatisierten Zustand der reine Genuss. Sozusagen der perfekte Abschluss unserer Jubiläumsausfahrt nach Peru in die Cordillera Blanca zum Anlass des 100 jährigen Jubiläums unserer Sektion DAV SSV Ulm 1846.

Bericht und Fotos: Tobias Bailer

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