2013 HT Zillertal

Hochtouren im Zillertal


Für all diejenigen, die wenig Zeit und Lust haben Tourenberichte zu lesen, zuerst die Kurzfassung:
6 Schwabenhaben mit viel Spaß g‘schwind am Wochenend im Zillertal bei super Tourenverhältnissen unter toller Führung den Großen Möseler und Co. bezwungen.

So und nun die Berichtsvariante für Neugierige, Bergbegeisterte, Interessierte und all diejenigen die Zeit und Muse haben auf recht bequeme Weise bei am Flascherl Bier oder `nem schönen Tässchen Kaffee auf dem heimischen Sofa an einem tollen Bergerlebnis teil zu nehmen oder solche, die gar selbst diese Tour mal nachwandern wollen:

Am Freitag trafen sich mittags gegen 13h Helga , Thommi, Ralf, Michael (Auto 1) und Edith, Franz, Joachim (Auto 2) am Vöhringer Parkplatz um bei störungsfreiem Verkehrsfluss in knapp 4h an unseren Ausgangspunkt zu gelangen. Über A7, Fernpass, Inntalautobahn, ging`s ins Zillertal und via Mayerhofen schraubten wir uns zum Schluss über ein einbahniges Mautsträßlein durch tolle, enge Felstunnels und in vielen Kehren zum Ausgangspunkt, dem hintersten Parkplatz an der Jausenstation am Zamsgatterl (1785) am Schlegeis – Stausee.
Bei Sonnenschein machten wir uns gegen ca. 17.00h gut gelaunt auf Schusters Rappen, bepackt mit kompletter Hochtourenausrüstung, auf den Weg zum Furtschaglhaus (2293m), unserer Herberge für die kommenden Tage.
Zuerst ging‘s recht monoton flach am Stausee entlang, gerade recht um sich all die vielen Dinge zu erzählen, die sich seit der letzten gemeinsamen Tour ereignet hatten. Am Ende des Stausees verließen wir nach Überquerung des seespeisenden Flusses die gemütliche Ebene und stapften recht steil auf einem schmalen, mit  Steinplatten belegten sehr kurzweiligen Weg gen Hütte. Vorbei an Alpenrosen übersäten Hängen, tosenden Wasserfällen, riesigen Findlingen, Luisa, Rebecca, Erna (letztere alles glückliche, wiederkäuende Kühe) erreichten wir bei aufziehenden Wolkenschwaden trockenen Fußes gegen ca. 19h die Hütte. Rechtzeitig zum leckeren Essen, dass wir gleich nach Lagerbezug von den sehr freundlichen Wirtsleuten serviert bekamen. Nachdem uns Micha und der Hüttenwirt die nötigen Tips und Infos für unser Ziel am darauf folgenden Tag, den Großen Möseler 3480m, dem zweithöchsten Zillertaler Gipfel, mit guter Wettervorhersage motivierend mitgeteilt haben, gings ab in die Falle,damit das Fünfuhrwecken am nächsten morgen nicht allzu schwer fällt.

Nach einem leckeren sättigendem Frühstücksbüffet zogen wir pünktlich um 6 h los.
Da stand er direkt vor uns, der Große Möseler, weiß, mächtig, Respekt einflößend. Sicher stellte sich der eine oder andere von uns die Frage: Wie soll man da jemals hoch kommen?Ganz einfach. So geht`s. Man nehme einen top FÜL HT und 6 sich ihm anvertrauende motivierte, bergerfahrene Männer und Frauen und los geht` s.

Von der Hütte kurz abwärts über einen Bach, dann stetig ansteigend über einen Moränenrücken stapften wir bald angenehm auf gefrorenen Schnee, der für diese Jahreszeit eher unerwartet, in recht großen Mengen bis weit runter (ca. 2500m) zu finden war. Ein Riesenvorteil für uns, da die doch recht Steinschlag gefährdete Rinne des großen Möseler, die Schlüsselstelle, komplett schneebedeckt war. Aber dazu noch später…
Am erstenAnseilplatz (ca. 2730m) machten wir kurz Rast und beobachteten wie leider mehr und mehr Wolkenschwaden aufzogen und immer wieder den Gipfel umwaberten. Doch war jederzeit gute Sicht gegeben und Orientierung kein Problem. In 2 Seilschaften , voran Micha mit Helga, Franz und Ralf und danach Jo mit Edith und Thommi, überquerten wir im angenehmen Steilheitsgrad den Gletscher und umgingen dabei rechter Hand ein markantes Felsköpfchen (2985m) bis hin zum Fuße schon erwähnter Rinne, 70-80 m lang , gute 35 – 40° steil. Wow!
Dank der von Micha gut angelegten Tritte im Schnee der Wand gestaltete sich die sehr steile Herausforderung seilfrei einfacher und angenehmer als befürchtet, erforderte jedoch höchste Konzentration und Fehlerfreiheit. Oben angekommen waren wir erst mal alle ganz stolz auf uns und verdrängten die Frage, wie wir da je wieder runter kommen werden. Wieder am Seil legten wir die verbleibenden 300-400Hm im respektvollen Abstand zur Gletscherabbruchskante zurück, um nach letzter kurzer Aufsteilung vor dem Gipfel gegen 11h diesen glücklich zu bezwingen. Zwar recht beengt aber einfach schön! Windstill war`s, nicht kalt, jedoch leider durch Wolken verhangen, so dass uns nur immer wieder für kurze Augenblicke die Sicht auf die benachbarten Gipfel, die beeindruckende Hochfeilernordwand und Co., vergönnt waren.
Frisch gestärkt machten wir uns gegen 12h auf unserer Aufstiegsroute auf den Rückweg. Kaum eine Viertelstunde vergangen riss die Wolkendecke auf, die Sonne brannte vom Himmel und die Sicht war freigegeben.Sellerie so ist das Leben. „Aber bei gutem Wetter kann`s ja jeder!“ sagten wir uns.
Die größte Herausforderung des Tages stand uns jedoch noch bevor, der Abstieg durch die Rinne! Mit dem beruhigenden Wissen, dass jederzeit noch ein Fixseil gelegt werden kann, widmeten wir uns seilfrei, mit dem Gesicht wandwärts absteigend, Pickel , Steigeisen und sich selbst vertrauend, Tritt für Tritt langsam und konzentriert unserer Aufgabe und bewältigten sie bravourös. Eine wirklich super Leistung aller! Ab jetzt ging‘s unterbrochen durch eine gemütliche Rast am ersten An-/Abseilplatz , entspannt in zunehmend (knie) tiefer und sulziger werdendem Schnee Richtung Hütte, an der wir angekommen, den restlichen Nachmittag gemütlich bei Kaffee , Kuchen und wohlverdientem Bier auf der Sonnenterasse chillend verbrachten.
…und immer wieder der stolze Blick zum Gipfel, da waren WIR, ein tolles Team, oben!
Yippie!
Um 18h gab`s lecker Essen und nach der Tourenbesprechung für den nächsten Tag wurde beim folgenden gemütlichen Hüttenabend ausgiebig in der alten Erlebniskiste gewühlt,
Erinnerungen ausgegraben , erzählt, diskutiert, politisiert… Nach einem erlebnisreichen Tag fielen wir gegen 22-23h ins sehr volle Matratzenlager, das leider nicht nur Hütten erfahrenen Schläfern zur Ruhe diente sondern auch einigen, die meinten lauthals, bei brennendem Licht noch rücksichtslos die eine oder andere laute Unterhaltung zu führen. Doch auch dies gab sich und dem erholsamen Schlaf stand nichts mehr im Weg!

Am Sonntagmorgen um 6h war Wecken angesagt. Bestes Bergwetter, stahlblauer Himmel, kein Wind, Traumkulisse – was will man bzw. Frau mehr!
Nach ausgiebigem Frühstück, machten wir uns mit leichtem Gepäck gegen 7.15h auf den Weg zu unserem heutigen Ziel, dem Schönbichler Horn, mit 3133m der Hausberg der Hütte. Im Vergleich zum Vortag eine leichte, gletscherfreie Genusstour, die einem jederzeit die Möglichkeit gab, die schöne Umgebung in vollen Zügen zu genießen. Bald wieder im Schnee, stapften wir auf dem Berliner Höhenweg teils flach, dann wieder steiler in Serpentinen Richtung Gipfel, der uns immer als Ziel vor Augen lag. Über einen Stahlseil versicherten Steig ging es am Gipfelaufbau, an dem es aussah, als wären Kartenhäuschen aus Steinplatten zusammengestürzt, in leichter kurzweiliger Kletterei zum Gipfelkreuz, an dem wir bei besten Verhältnissen gemütlich vesperten und ehrfurchtsvoll unser gestriges Ziel aus einer anderen Perspektive bewunderten. Lange noch könnte man hier verweilen, doch wir geben den Gipfel für die nachfolgenden Stürmer frei. Am Ende des Steigs beschließen wir nicht über die Aufstiegsroute abzusteigen, sondern den 2574m hohen Furtschaglkopf als schönen Aussichtspunkt runter auf den Stausee quer(schnee)feldein anzupeilen. Teils auf dem Hosenboden rutschend oder durch den tiefer werdenden Schnee stapfend oder springend wie Steinböcke legten wir die Strecke zurück. Der eine oder andere anwesende Skitourenbesessene wünschte sich für diesen Traumhang seine geliebten Bretter herbei. Die Zeit vergessend faulenzten wir ausgiebig am Furtschaglkopf auf Enzian durchsetzter grüner Almwiese neben Schafen und deren üppigen Hinterlassenschaften.
Auf kürzestem Weg zurück zur Hütte gönnten wir uns gegen Mittag auf der Sonnenterasse noch leckere Süppchen und was zu Trinken. Nach dem Packen ließen wir die schöne Hütte mit seinen freundlichen, kompetenten, hilfsbereiten Wirtsleuten mit ihrem ägyptischen Sandschlittenhund zurück um nun wieder schwer bepackt in der durch herrlich kühlen Luftzug gut erträglichen Mittagshitze ab zu steigen. Einzig und allein der Talhatscher entlang des Stausees ließ im einen oder anderen wohl sehnsuchtsvolle Gedanken nach einem Fahrrad aufkommen ….Wieder zurück am Auto, umgezogen, alles verstaut und glücklich und zufrieden, erinnerten sich Micha und Franz an ein von einem holländischen Ehepaar geführtes Cafe ganz in der Nähe, das sie letztes Jahr bei der Rückkehr von der Olperertour entdeckt hatten. Genau der richtige Platz um nach einem fröhlichen Wiedersehen mit den niederländischen Wirtsleuten bei Espresso, Latte Macciato, Eis, Zwetschendatschi, Apfelstrudel und Streuselkuchen mit viiiiiiiel Sahne die wunderschönen Tage noch mal Revue passieren zu lassen und neue Pläne zu schmieden, der schwarze Stein 2014. Die Rückreise in die Heimat verlief,  bis auf stockenden Verkehr ab Kreuz Memmingen, problemlos, wo wir gesund und munter gegen 19.30h ankamen.

Bleibt mir nur noch zu schreiben:
Ein herzliches „Vergelt‘s Gott“ an alle! …für das tolle gemeinsame Tourenerlebnis, die neu dazu gewonnenen Erfahrungen, die ungetrübte Bergkameradschaft und vor allem die reibungslose souveräne Tourenführung von Michael.
Pfiads Euch und herzliche Grüße von der Edith, die all das geschrieben hat ….wahrscheinlich hat ein Kaffee oder ein Bier nicht zum Lesen gereicht ;-)))
aber dafür gibt es ja die Kurzfassung oder das zweite Flascherl – Prost!

Bericht: Edith Scharr
Bilder: Thomas Gübner, Michael Scharpf

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