2013 ST Oberalppass

Skitouren am Oberalppass


Wir (Michael, Sandra, Jürgen, Ralf, Max, Michel und Joachim)  trafen uns am Freitag früh morgens um 5 Uhr  hoch motiviert in Laupheim und machten uns zu siebt mit zwei Autos auf in Richtung Schweiz. Dank der frühen Abfahrt erreichten wir ohne großes Verkehrsaufkommen Tschamut, ein kleines Örtchen im Kanton Graubünden. Da die Fahrstraße über den Oberalppass im Winter gesperrt ist, wurden die Autos im Ort geparkt und wir machten uns zu Fuß auf den Weg zum etwas oberhalb gelegenen Bahnhof der  Matterhorn-Gotthard-Bahn. Nachdem die angegebene Abfahrtszeit um wenige Sekunden verstrichen war, konnten erste Kommentare vernommen werden, wonach die Schweizer Kollegen wohl auch nicht pünktlicher wie vergleichbare  Anbieter des deutschen Schienenverkehrs seien. Es blieb dann jedoch auch bei den wenigen Sekunden Verspätung und die Zahnradbahn brachte uns in ca. zehnminütiger Fahrt zur Station am  Oberalppass, dem Beginn unserer Skitour.

Nachdem die obligatorischen Tests der Sicherheitsausrüstung beendet waren machten wir uns bei schönem Wetter an den zügigen Aufstieg in Richtung Pazolastock.  Der 2740m hohe Gipfel des Pazolastocks  eröffnete uns einen ersten Blick auf die Tourenregion der kommenden Tage. Die Abfahrt erfolgte über schöne Nordosthänge in Richtung Maighelstal, wobei der stellenweise doch recht harte und verharschte Schnee für teilweise interessante Abfahrtsbedingungen sorgte. Nach einem ca. 150Hm Gegenanstieg erreichten wir die auf 2309m gelegene Maighelshütte, welche uns für die nächsten zwei Tage als Stützpunkt diente. Wir wurden von der Hüttenwirtin freundlich empfangen, und nachdem wir eine kleine Stärkung zu uns genommen hatten, stiegen wir noch auf den Hausberg der Maighelshütte, den Piz Cavradi (2614) auf. Den Abend verbrachten wir in geselliger Runde und bei sehr gutem Essen. Dabei wurden auch die Tourenziele des darauffolgenden Tages besprochen.
Nach einem ausgiebigen Frühstück  liefen wir zunächst ca. 4 km bei leichter Bewölkung recht flach ins Maighelstal hinein. Das Maighelstal ist das Quellgebiet des Rheins, wobei der Piz Alv (2768m) im hinteren Ende des Tals unser Ziel war. Wir konnten bis ca. 50m unterhalb des Gipfels mit den Skiern aufsteigen. Dort ließen wir dann die die „Bretter“ zurück, um zu Fuß den teils recht vereisten und dadurch stellenweise nicht ganz einfachen Grat aufzusteigen. Da noch keine Spur vorhanden war, konnten wir uns im Schlagen von Tritten üben. Vom Gipfel des Piz Alv aus, welcher von uns nur liebevoll Alf genannt wurde,  bot sich ein erstklassiger Blick auf die umliegenden Gipfel und das darunter liegende Wolkenmeer .
Nach der z.T. nicht ganz einfach zu fahrenden Abfahrt stiegen wir über den Maighelsgletscher  in Richtung des höchsten Gipfelzieles der Ausfahrt, dem Piz Borel (2952m) auf. In einer Scharte zwischen Piz Ravetsch und Piz Borel deponierten wir erneut die Skier und liefen über den stellenweise mit Seilen versicherten Grat in Richtung Gipfel. Dank der vorhandenen guten Spur musste auch das Seil, welches wir uns zur Sicherheit vom Hüttenpersonal ausgeliehen hatten, nicht zum Einsatz kommen. Am Gipfel angekommen stellten wir fest, dass sich der „Alf“ stärker gegen den Aufstieg gewehrt hatte als der Piz Borel.  Die Abfahrt war dank einer leichten Pulverauflage auf einer harten aber griffigen Schicht im oberen Teil über den Maighelsgletscher  top. Wegen des diffusen Lichtes war es jedoch im unteren Teil sehr schwer, Geländestrukturen zu erkennen. So kam es auch zu mehreren spektakulären Saltos und Sprüngen über Geländekanten, wobei die bescheidenen Akteure stets behaupteten, dass die oftmals gelungenen Showeinlagen unfreiwillig  und den schlechten Sichtverhältnissen geschuldet waren.  Nach einem kurzen Gegenanstieg erreichten wir nach dieser herrlichen ca. 1350Hm–Tour die Hütte, wobei sich eine Abordnung nochmals dazu entschloss, dem Piz Cavradi, welcher bereits vom Vortag bekannt war, einen Besuch abzustatten. Die wegen der heranziehenden Wolken nicht vorhandene Sicht und die harten Schneebedingungen wurden dem Rest der Gruppe auf der Hütte selbstverständlich als 30cm Pulverschnee und atemberaubende Fernsicht verkauft.

Nach einem erneuten gemütlichen Hüttenabend mit ausgezeichnetem Essen  und wohltuenden Getränken konnten wir am darauffolgenden Morgen beim Blick aus dem Fenster feststellen, dass auch an diesem Tag die Sonnenbrille nicht nur aus ästhetischen Gründen ihre Berechtigung hatte. Dies war vor allem wegen der zunächst eher bescheidenen Wetteraussichten für den Sonntag erfreulich. So machten wir uns nach dem Frühstück pünktlich um 7.45 Uhr auf den Weg in Richtung Rossbodenstock (2836m). Nach einer kurzen Abfahrt folgten wir bei strahlendem Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen einem herrlichen Tal auf eine Scharte unterhalb des Rossbodenstocks. Von hier aus ging es zu Fuß weiter, wobei eine kurze, jedoch recht exponierte „ Kraxelpassage“ die Schlüsselstelle auf dem Weg zum Gipfel darstellte. Vor der Abfahrt über sehr schöne Hänge mit griffigem Schnee und stellenweise sogar einer dünnen Pulverauflage in Richtung Andermatt, schweifte der Blick nochmal zurück zur Maighelshütte.

Unsere Abfahrt endete bei der Bahnstation von Nätschen oberhalb von Andermatt, von wo aus es mit der Bahn über den Oberalppass zurück nach Tschamut ging, wobei bei dieser Fahrt  nicht einmal der findige Schwabe  etwas an der Pünktlichkeit der Bahn auszusetzen hatte.  Nach einer kurzen Skiabfahrt vom Bahnhof zurück zum Auto, bei der z.T. Schneemangel ein kleines Problem war, fuhren wir zurück in Richtung Heimat.

 Es liegen drei herrliche Skitourentage in einer schönen Region und mit einer tollen Truppe hinter uns. Hierfür möchten wir uns bei unserem erfahrenen und souveränen Tourenführer, Michael bedanken!

Bericht: Joachim Hagel
Bilder: Sandra Mauch, Michael Scharpf

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