2014 KT Geislergruppe

Alpine Klettertouren in der Geislergruppe


Da das Wetter in Südtirol am Freitag für alpine Klettertouren noch nicht gut genug ist, trifft sich die achtköpfige Gruppe um Tourenführer Michael Scharpf nicht wie zunächst geplant am Freitagmorgen, sondern erst gegen Mittag auf der Regensburger Hütte in der Geislergruppe. Um dennoch drei volle Tage klettern zu können wurde die Abreise von Sonntag auf Montag verschoben.

Bei einem geselligen Hüttenabend am Freitag wird die Kleine Fermeda als Ziel für den kommenden Tag ausgesucht. Nach einem ausgezeichneten Frühstück folgt der dreistündige Zustieg unter die Südwestwand. Da das Wetter am Einstieg schon recht zweifelhaft ist, beschließen wir, auf dem Normalweg (III) und nicht wie zunächst geplant über die Kaminführe (III)  durch die Südwand auf den Gipfel zu klettern. Nach ca. zwei Stunden mit zum Teil schönen Kletterstellen erreichen wir bei nicht gerade sommerlichen Verhältnissen den Gipfel. Wegen der aufziehenden Schauer machen wir nur eine kurze Gipfelrast und beginnen mit dem Abstieg über die Aufstiegsroute. Dass es die richtige Entscheidung war, den kürzeren Normalweg zu wählen, bestätigten uns die Graupel- und Hagelschauer, welche dem Abstieg ein alpines Ambiente verleihen. Nach zehn Stunden treffen wir alle wieder wohlbehalten auf der Regensburger Hütte ein und freuen uns über das schmackhafte Abendessen.

Beim Frühstück am nächsten Morgen wird unsere Aufmerksamkeit unweigerlich auf das Gespräch am Nachbartisch gelenkt, wo mehrfach das Wort „Schwaben“ fällt. So müssen wir uns von den vermeintlich sprachbegabten Nachbarn beispielsweise darüber aufklären lassen, dass das Plusquamperfekt im schwäbischen meist falsch verwendet wird. (Für alle denen die genau Definition des Plusquamperfekt, wie dem Autor selbst auch, nicht mehr geläufig ist eine kurze Erläuterung:  „Das Plusquamperfekt wird für jenen Zeitraum benutzt, der zeitlich vor einem Referenzpunkt in der Vergangenheit liegt, wobei sich der Referenzpunkt aus dem Kontext des Textes bzw. der Erzählung ergibt […]. Das Plusquamperfekt verhält sich daher zum Präteritum ähnlich wie das Perfekt zum Präsens.“ [Quelle: Wikipedia]). Der Autor hofft, obwohl er Schwabe ist, die Zeiten in den bisher geschriebenen Zeilen richtig verwendet gehabt zu haben.

Unser Ziel für den Sonntag ist der 2493 Meter hohe Glückturm (Torre Firenze) mit seiner schönen Westkante (IV+). Bei perfektem Wetter können wir die 14 Seillängen in toller Kletterei voll genießen und erreichen nach vier Stunden das Gipfelplateau. Dort gönnen wir uns bei einer herrlichen Aussicht eine ausgiebige Gipfelrast bevor wir uns an den gemütlichen Abstieg über einen Wanderweg zurück zur Hütte machen.

Am Montag machen wir uns nach dem Frühstück auf den Weg in Richtung Sas de Mesdi (2762m), wo wir uns am Vorabend die Südwestkante (IV), welche 1917 erstbegangen wurde, vorgenommen gehabt hatten (könnte eventuell ein Beispiel für die richtige Verwendung des Plusquamperfekt sein). Wie auch schon die Tage zuvor ist beim Absichern dieser Tour dolomitentypisch viel Eigeninitiative gefragt und spätestens bei einem kleinen Überhang im Mittelteil der Tour sind wir uns einig, dass die Westkante schon ein recht knackiger Vierer ist. Die zum Teil klammen Finger bei kaltem Wind und nur sporadisch hinter den Wolken auftauchender Sonne machen die Schlüsselstellen dabei nicht gerade einfacher. Nach zehn zum Teil herrlich ausgesetzten und abwechslungsreichen Seillängen stehen wir glücklich auf dem engen Gipfel. Der spannende Abstieg in Richtung Mittagsschlucht erfordert nochmal volle Konzentration. Nach einer kurzen Stärkung auf der Hütte treten wir den Heimweg an und können auf ein sehr gelungenes, verlängertes  Kletterwochenende zurückblicken.

Für die top Planung, welche mit den Verschiebungen sicherlich sehr zeitintensiv war, und die super Tourenführung möchten wir uns bei Michael Scharpf bedanken.

Bericht:  Joachim Hagel
Bilder: Hermann Knoll, Christoph Götsch, Jürgen Steffgen, Michael Scharpf

Herzlichen Dank, an die Maselheimer Jungs Jo, Christoph und Michael M. fürs Vorsteigen – Super !!
Michael Scharpf

zu den Tourenberichten 2014

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.