2014 Sen Vogtland

Im Sächsischen Vogtland


Bepackt mit Rucksäcken und Koffern fanden wir 18 Teilnehmer uns pünktlich am Hauptbahnhof Ulm zur 8-stündigen Zugreise nach Muldenberg-Floßplatz ein. Der Wetterbericht vermerkte nichts Gutes und so hatte man lieber noch einen „Kittel“ mehr eingepackt, den man dann beim viermaligen Umsteigen büßen musste! Die Anschlüsse erreichten wir jedoch immer wider Erwarten und freuten uns, von unserem freundlichen Wirt vom Haltepunkt der Vogtlandbahn abgeholt und in die sehr ansprechenden Zimmer eingewiesen zu werden.

Bei Wanderungen im Sächsischen Vogtland darf man mit sehr viel Wasser rechnen, nicht nur von oben: Sobald man die hervorragenden Wanderwege verlässt, hat man den Eindruck als würden überall Bäche entspringen, welche von den fleißigen Vogtländer Flößern bereits im Mittelalter kanalisiert wurden. So konnten sie den sächsischen König zufriedenstellen, für den sie unentwegt Bäume fällen und in die großen Städte bringen mussten. Denn nicht nur der Silberbergbau, sondern auch das Holz aus dem Vogtland trug bei zu seinem Reichtum. Die Flößerei wurde als bedeutender Wirtschaftszweig bis 1872 betrieben, denn nur so konnte das Holz des Vogtlandes abtransportiert werden.

So wanderten wir entlang der Roten und der Weißen Mulde, welche an ihrem Zusammenfluss in einen Trinkwasserspeicher münden und von dort als Zwickauer Mulde und später vereint mit der Freiberger Mulde der Elbe zustreben.

Im 19.Jhdt.löste die Eisenbahn das Wasser ab. Das Schienennetz ist noch vorhanden, aber auf der Vogtlandbahn werden keine Güter mehr transportiert.

Und damit „Willkommen an der Göltzschtalbrücke“! Zu ihr wanderten wir vom Bahnhof Reichenberg hoch über der Stadt und ihren verlassenen Fabrikgebäuden, welche einmal blühende Textilindustrie beherbergt hatten. Bewundernswerte sächsische Ingenieurskunst ermöglichte dieses Bauwerk in einer Bauzeit von nur fünf Jahren.

Die Brücke ist die größte Ziegelsteinbrücke der Welt und gilt als Wahrzeichen des Vogtlands. Sie überspannt mit ihrer Länge von 574 m und einer Höhe von 78 m das Tal der Göltzsch. Diese und die baugleiche kleinere Elstertalbrücke machten erst den durchgehenden Eisenbahnverkehr von Nürnberg nach Leipzig möglich.

Zum Glück hatte unser umsichtige Reiseleiter Manfred auch an die Teilnehmerinnen gedacht, denn was wäre das Vogtland ohne Plauen und dessen Spitzen? Im Spitzenmuseum bekam man einen guten Einblick in die Herstellung dieser Stickerei. Erst im 19. Jhdt entwickelte sie sich mit der Erfindung der Nähmaschine zur Maschinenstickerei weiter. Diese Plauener Spitzen wurden den Schweizern eine starke Konkurrenz.

Eine informative Rundfahrt mit einer Straßenbahn von 1925 zeigte uns, wie wenig von der Stadt nach der Zerstörung im Frühjahr 1945 noch übrig geblieben war. In den Außenbereichen wurden dann in den Fünfzigern des letzten Jahrhunderts die begehrten Wohnungen in Plattenbauweise gebaut, welche nach der Wende in weiten Teilen wieder abgerissen wurden, da ihre Bewohner die Stadt in Richtung Westen verlassen hatten. Die schönen Fassaden des 18. Jhdt. in der Innenstadt wurden nach der Wende renoviert und die Straßen haben Belag erhalten, um den man die Stadt nur beneiden kann.

Vergessen werden darf aber nicht das neueste Projekt, welches die Vogtländer angegangen und beendet haben: die Vogtland Arena in Klingenthal. Wenn wir am 22. und 23.11.2014 den Auftakt des Weltcups im Fernsehen verfolgen, werden wir uns daran erinnern, dass wir dort oben gestanden haben, wo die Weltelite des Skispringens sich auf den Start vorbereitet und die ersten Weltcuppunkte der Saison sammelt.

Abschließend bleibt mir nur, unserem Reiseleiter Manfred sehr herzlich zu danken für seine umsichtige Planung und den reibungslosen Ablauf der Reise.

Ingrid Scheib

zu den Tourenberichten 2014

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