2014 ST Sesvenna

Sesvenna satt
Skitour 14.02. – 16.02.2014


Zu nachtschlafender Zeit machten sich am Freitag 14.02. acht SkitourengeherInnen für drei Tage auf ins Gebiet der Sesvenna am südlichen Fuß des Reschenpasses. Unter der Leitung von Michael Scharpf wollten wir drei Tage auf der schneebegünstigten Südseite der Alpen schnaufen, schwitzen, spuren und wedeln. Der Wetterbericht verhieß wenigstens zwei gute Skitourentage und trotz Lawinenstufe 3 sollten an den gemäßigten Hängen rund um den Piz Sesvenna (3205 m) einige genüssliche Abfahrten möglich sein.

Die Fahrt nach Schlinig hoch über dem Vinschgau, dem Ausgangspunkt für unsere Tour verlief recht zügig. Gegen 10 Uhr begannen wir bei strahlendem Sonnenschein den Aufstieg zu unserem ersten Etappenziel, der Sesvennahütte auf 2256 Metern.  Zunächst führte unser Weg recht flach über präparierte Loipen bis zum Talschluss, an diesem wartete jedoch schon das erste Hindernis der Tour, ein 35 m hoher felsiger Aufschwung, den wir mit Sicherheitsabständen seitlich umgingen. Auf der Hütte angekommen, wurden wir von den beiden Wirtsbrüdern Harry und Andi herzlich begrüßt. Wie allgemein bekannt, bedeutet Herzlichkeit in Südtirol meist Hochprozentiges und so hatten wir trotz teilweise spärlichem Frühstück gegen Mittag schon den ersten doppelten Obstler im Bauch.
Um nicht schwankend auf unser nachmittägliches Gipfelziel zuzusteuern, stärkten wir uns  mit einer guten Suppe und spurten anschließend der Rassasspitze 2941 m entgegen. Nach ca. 2 1/2-stündigem Aufstieg erreichten wir den südlichen Vorgipfel und begnügten uns auch mit diesem, weil der Weg zum Hauptgipfel aufgrund einer recht ausgesetzten Senke einerseits zu gefährlich schien und andererseits der Nachmittag schon recht fortgeschritten war. Nach fröhlichen Glückwünschen und einem zufrieden seufzenden Ausblick auf den von einer Windfahne geschmückten Ortler im Süden klackten die Bindungen bereits zur ersten Abfahrt der Tour. Wahrscheinlich zur Steigerung der Fitness der Teilnehmer fuhr Michael eine kleine Variante, die damit endete,  dass wir einige mühsame Höhenmeter zurück zum Kamm „stocken“ mussten. Von dort ging die Abfahrt über windgepressten und etwas widerspenstigen Schnee zurück zur Hütte. 700 Hm Schwung um Schwung verursachten bei den Meisten etwas Brennen in den Oberschenkeln, aber dennoch waren alle froh, wieder einmal Schnee unter den Brettern zu haben. Auf der Hütte erwarteten uns gut gelaunte Hüttenwirte, die uns später ein leckeres Abendessen mit Salatbüffet und Überraschungsnachtisch servierten. Für den nächsten Tag planten wir die Besteigung des Sesvenna. Aufgrund der vorhergesagten Wetterverschlechterung legten wir den Start auf 7 Uhr. Verteilt auf mehrere Zimmer verbrachten wir eine im Großen und Ganzen erholsame Nacht und starteten im Morgengrauen zum Hauptziel dieser Tourentage.
Einer teils verwehten Spur folgend gewannen wir zügig an Höhe und genossen die morgendlichen Licht- und Schattenspiele mit Sonne, Wolken und Tiefnebel über der Ortlergruppe und dem Ötztal. Nach zwei Stunden hatten wir die Fuorcia Sesvenna erreicht, von der wir in den Gletscherkessel vor dem Piz Sesvenna abfuhren. Der Gipfel selbst war durchgehend in Wolken, die Sicht darunter jedoch gut und auch Temperatur und Windverhältnisse angenehm. Mit Karte, Kompass und GPS peilten wir unseren Weg über den Gletscher und standen nach zwei weiteren Stunden auf dem 3029m hohen Sattel auf der Ostseite des Sesvenna. Von dort sollte der Weg über einen leichten Blockgrat zum 200 Höhenmeter höher gelegenen Gipfel führen. Nebel und Schneetreiben hielten uns nicht davon ab, in den Grat einzusteigen. Recht schnell wurde jedoch klar, dass die Verhältnisse nicht für eine Besteigung sprachen. Eis auf den Felsen und Schneeverwehungen auf dem überraschend steilen Grat verhinderten den Weiterweg. Eine andere Gruppe aus dem Pfaffenwinkel begrüßte uns auf dem Sattel mit einem schallenden „Hallo“. Gut gelaunt beglückwünschten wir uns gegenseitig zum ‚Gipfelerfolg’.
Nach einer kurzen Vesperpause auf dem zugigen Sattel machten wir uns auf den Rückweg. Der Schnee war deutlich besser als am Vortag und so freuten wir uns über kurze und lange Schwünge auf dem breiten und mal flachen, mal etwas steilen Gletscherrücken. Am Fuße des kurzen Gegenanstiegs zum Sesvenna-Sattel entschlossen wir uns, den ca. 100 Hm darüber liegenden Schadler 2948m ebenfalls noch zu besteigen. Der Tag war noch jung, das Wetter schien zu halten, die Stimmung gut und die Felle eh schon auf den Skiern! Nach einem kurzen Aufstieg erreichten wir den Gipfel und genossen wiederum ein erhabenes Panorama über die weiten Hänge der Sesvennagruppe und die dahinterliegenden Ötztaler. Auch im Westen, ins Engadin hinab, blitzen unter der Hochnebeldecke die steilen Flanken in der Sonne. Durch nun wirklich hervorragenden Schnee wedelten wir hinab zur Hütte und kamen dort so euphorisch an, dass wir für den Nachmittag einen weiteren, kleinen Aufstieg planten.
Nach Bienenstich und Apfelstrudel stellte sich zwar ein leichtes Suppenkoma ein, aber wir besiegten es mit Tatendrang und wagten noch einmal einen Aufstieg auf der Nordostseite der Hütte in Richtung des Vernungkopfes, an der wir uns tags zuvor schon vergnügt hatten. Die Wolkendecke hatte sich etwas gehoben und so wurden einige verstohlene Blicke auf den Sesvenna im Westen frei. Wenn auch nicht bestiegen, hatten wir ihn nun wenigstens noch gesehen. Nach ca. 400 Höhenmetern Aufstieg fellten wir auf einem Absatz ab und genossen eine weitere Abfahrt über weite Hänge in sahnigem Schnee. Nach nun ca. 1600 Höhenmetern Tagespensum meldete sich jedoch auch wieder ein leichtes Brennen und so freuten wir uns auf die Gemütlichkeit der Hütte, die trotz rund 40 Absagen gut gefüllt war. Ein buntes Völkchen war auf der Hütte versammelt, und als die Südtiroler mit Ziehharmonika und schallendem Gesang ihrem Patriotismus freien Lauf ließen, hielt es auch die Freunde aus dem Pfaffenwinkel nicht lang auf den Stühlen und begleitet von der Gitarre, wurden Hits von STS und anderen alten und neueren Austropop-Interpreten geträllert. Der Wirt Andi gesellte sich zu den Gästen, spendierte allen einen Abschiedslikör und verriet schließlich eher widerwillig ein vor allem von den Damen begehrtes Geheimnis: Frisör habe er gelernt und darin vor seiner Karriere als Wirt auch gearbeitet. „Frisör und so a Kreiz!“, hieß es später aus der Runde der weiblichen Teilnehmerinnen, halb verwundert, halb staunend.

Der Sonntag hielt, was der Wetterbericht versprochen hatte. Bei schlechter Sicht und schwer und dicht fallendem Schnee traten wir den Rückweg gen Heimat an. Nach souveräner Passage des Steilstücks wedelten wir glücklich das Tal hinaus und erreichten schon gegen neun Uhr den Parkplatz. Ebenso zügig, wie wir gekommen waren, fuhren wir zurück gen Norden und nach einer kurzen Rast am Fernpass, erreichten alle noch rechtzeitig das Sofa, den Fernseher und damit den sonntagnachmittäglichen Biathlon-Wettbewerb.

Sesvenna satt, so das Fazit dieser Tage: Guter Schnee, pfundige Abfahrten, schöne Aussichten, eine gemütliche Hütte mit gutem Essen und Hüttenwirten aus Leidenschaft, ein verantwortungsvoller und souveräner Tourenführer, eine lustige Truppe und alle wieder wohlbehalten auf den Sofas. Mei, was will man mehr!

Dank an Michael für die Organisation und Leitung der Tour und an alle, die dabei waren, für die guten Tage.

Bericht: Michael Brugger
Bilder: Sandra Mauch, Michael Scharpf

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