2015 HT Grossvenediger

Sieben, die auszogen, um den Grossvenediger zu bezwingen!


1.Tag:
Nachdem der ZAMG Innsbruck uns die Chance auf ein kleines aber feines Wetterfenster für unser geplantes 3-tägiges Hochtourenwochenende in den Hohen Tauern wittern ließ, fassten wir Mut und starteten  mit 2 PKWs mit 6 Mann und 1 Frau Besatzung frühmorgens um 4.30 h in Vöhringen am Autobahnparkplatz. Über die A7, Fernpass, Innsbruck, Gerlos, Neukirchen trafen wir fast pünktlich um 8:50 h am Parkplatz Hopffeldboden ein. Von dort nutzten wir,  um unsere Kräfte für Größeres zu sparen, den Venedigerbus, um die ca. 12 km durchs  Obersulzbachtal zur Materialseilbahn Keesboden  zurückzulegen. Wir hatten Glück, und die gewaltige Mure, die wenige Tage zuvor den Weg versperrte, war so weit zur Seite geräumt, dass der Weg wieder passierbar war. Bei bedecktem aber trockenem Wetter stiegen wir über das Klamml rund  700 HM in ca. 2 h steil zur Kürsinger Hütte (2558m) auf, wo wir sogleich unser großzügiges Quartier bezogen und uns bei leckeren, hausgemachten Suppen  und kühlen Getränken stärkten. Mit leichtem Gepäck machten wir uns bei zunehmend besser werdendem Wetter nachmittags auf, um erstmals die 3000er Grenze zu knacken, indem wir über Blockwerk den Gipfel des 3291m hohen Keeskogels erklommen. Wir nutzten die Gelegenheit, um bei erstaunlich guter Sicht die Aufstiege der bevorstehenden Tourenziele Großvenediger und Großer Geiger auszukundschaften. Beeindruckende, erstaunlich apere Gletscher und lange Grate standen uns bevor! Über Stock und Stein machten wir uns bei nun zunehmend schlechter werdendem Wetter auf den Rückweg zur Hütte. Ein kurzer Graupelschauer und  dichte Wolken im unteren Teil begleiteten uns. Die verbleibende Zeit bis zum Abendbrot nutzten wir teils zum Waschen und müde wie wir allesamt waren teils für ein Nickerchen. Noch bevor wir vom freundlichen Hüttenpersonal um ca. 18.30 h mit leckerem Essen versorgt wurden, begann es heftig zu regnen und gewittern. Aber keine Sorge, der Wettergott  war uns hold!

2. Tag:
Pünktlich früh morgens begann es mehr und mehr aufzulockern und so stand dem Aufbruch zu unserem Ziel, dem Großvenediger , um 5 Uhr nichts mehr im Wege. Die ersten Meter noch halb dösend im Stirnlampenlicht liefen wir flach ansteigend am Fuße des Keeskogels Richtung Gletscher, den wir nach ca. 1 h erreichten. In zwei Seilschaften machten wir uns auf zur Ausdauer fordernden aber unproblematischen Gletscherpassage. Die eine oder andere Gletscherspalte musste übersprungen werden, langsam steilte es an, und wir näherten uns kurz vor der Venedigerscharte der Schlüsselstelle dieser Tour. Seit diesem Frühjahr hat sich knapp unterhalb der Scharte ein mächtiger Schrund aufgetan, der nur überwunden werden kann, wenn man die 2 aneinandergebundenen Aluleitern, die der Hüttenwirt verlegt hat, auf allen Vieren überquert. Schon eine kleine Mutprobe, die durch ein angebrachtes Fixseil und unsere zusätzliche HMS Seilsicherung entschärft wurde. Faszinierend und respekteinflößend  der Blick in den tiefen Abgrund! Die letzten ca. 250 Hm zehrten nach dem wenigen Schlaf und der Vortagestour mehr und mehr an unseren Kräften, doch  der stahlblaue Himmel, der gigantische  Blick rüber zum Großglockner und all seinen Nachbarn  und der zum Greifen nahe Gipfel trieben uns weiter. Nach konzentriertem Überschreiten des Gipfelgrates standen wir gegen 10.30 h  alle 7 mächtig stolz auf dem Gipfel des 3666 m hohen Großvenedigers – Österreichs fünfthöchstem Gipfel! Man konnte sich kaum satt sehen, da die Wolkenschicht unterhalb 2500 m in den Tälern waberte und drüber nur die Farben blau und weiß brillierten! Ein Geschenk! Einfach schee! Nach 1 h Stunde ausruhen, staunen, vespern und photographieren machten wir uns bei zunehmender Wärme auf den Rückweg, der der Aufstiegsroute entsprach. Grat und Schrund hinter uns beschlossen wir in sicherem Gelände das schöne Wetter und das Gelände zu nutzen und  unsere Kenntnisse in Spaltenbergung aufzufrischen. Nach 3 Durchläufen stapften wir zügig durch den  immer weicher werdenden Schnee, hüpften über die eine oder andere Spalte und  erreichten sicher noch bei Sonnenschein die Hüttenterasse, wo wir uns mit Kaffee und Kuchen und einem wohlverdienten Bier für unseren Erfolg belohnten, immer das Ziel des morgigen Tages, den großen Geiger, vor Augen. Der  gut sichtbare Schrund unterhalb des Gipfelgrates stellte uns jedoch vor ein Rätsel. Wie könnte man es lösen? Wir befragten den versierten Bergler Emil, den Hüttenwirt, der für seine Liebe zu den Bergen  vor 8 Jahren seine Tätigkeit als Professor gegen die Kürsinger Hütte eintauschte. Unseren Plan kommentierte er als „sehr abenteuerlustig“ und in der morgen verbleibenden Zeit bis zur Busabfahrt eher unmachbar, vor allem bei der aktuellen Wettervorhersage, die neben Wolken auch Regen versprach. Er empfahl uns alternativ die Überquerung von Schwarzhörndl und Bachmayerspitze, mit leichter IIer Kletterei. Sein Plan überzeugte uns, wir beschlossen einen zu ernennen, der morgens um 5.30 h nach dem Wetter schaut und bei gutem Wetter alle  weckt, uns bei schlechtem jedoch bis 7 h weiterschlafen lässt.  Und so verbrachten wir bei wiederum leckerem Essen einen gemütlichen Abend beim einen oder anderen Glaserl Wein und Bier.

3.Tag:
Nach 2 Tagen Wetterglück verließ es uns am dritten Tag. Die Wolken hingen tief und es regnete immer wieder, so dass wir uns fürs  längere Liegenbleiben und ein gemütliches  Frühstück entschieden und  gegen 7.45 h den Abstieg antraten. Vielleicht gibt’s ja ein Wiedersehen auf der Kürsinger Hütte. Der mehr oder weniger starke Regen ließ die Steinplatten hier und da zur ungemütlichen Rutschpartie werden. Doch wohlbehalten erreichten wir alle pünktlich mehr oder weniger durchnässt die Materialseilbahnstation, wo uns der Venedigerbus abholte und uns  entlang des tosenden Obersulzbaches und vorbei an alten und neuen Murenabgängen ins Tal zu unseren Autos brachte. Die Heimfahrt unterbrachen wir in Obsteig,  um unseren  aufkommenden Hunger und Durst bei Sonnenschein unter Kastanienbäumen zu stillen und um dann die restlichen Kilometer gen Heimat zurückzulegen.

Danke an alle für dieses tolle gemeinsame Tourenerlebnis und  die gegenseitige Rücksichtnahme – besonders dem Micha ein herzliches „Vergelts Gott“ für seine souveräne Tourenplanung  und -durchführung – ein tolles Bergsteigerteam!

Pfiads Euch bis zum nächsten mal!

Bericht: Edith Scharr
Bilder : Michael Scharpf, Eckhard Hinderer

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