2015 Sen Grimmelfingen

Geschichtsstube Grimmelfingen


Pünktlich um 14:30 Uhr  erwartete uns Herr Kast, der Leiter der „Geschichtsstube“, vor dem ehemaligen Rathaus Grimmelfingen. Schon 1926 ist das kleine Bauerndorf nach Ulm eingemeindet worden. Seit der Renovierung des Rathauses, das ehemals auch Schule und Polizeistation war, bildet es zusammen  mit der Jakobuskirche den schmucken Dorfmittel-punkt. Vor dem Haus, auf dem Dorfplatz, steht das ungefähr 500 Jahre alte  „Grimmelfinger Sühnekreuz“, ein Teil aus der mittelalterlichen Rechtssprechung. Das kleine Museum, eine ortsgeschichtliche Sammlung, will die 1½ tausendjährige Geschichte von Grimmelfingen in einem verständlichen Zusammenhang sichtbar machen und möglichst alle Original-Objekte der Nachwelt erhalten.

Im „Dorfstüble“, eingerichtet mit dem Tisch und Sessel des Schultheißen und einem alten Bauernschrank, beginnt mit einer Urkunde von Papst Alexander 1255 die über 750-jährige, schriftliche Geschichte des Bauerndorfs. Zwei Tagebücher zeigen auf altem Pergament das Leben im Ort um 1600, festgehalten vom Schloßherren Schad und vom Pfarrer Häwlin. Das Lehenswesen, das über 1000 Jahre von den Grafen von Dillingen, von Kirchberg, von Berg und den Ulmer Patriziern (Krafft, Ehinger, Schad, Baldinger) bestimmt wurde, endete um 1800 mit einem gewählten Schultheißen. Eine alte Landkarte von 1720 zeigt, dass die „Landstrasse in die Schweiz“ mitten durch den Ort führte. Ein großes Gemälde von 1863 macht das Leben auf dem Bauernhof und auf den umliegenden Feldern sichtbar.

Im nächsten Raum, „Haeberlinstüble“, wird die heute evangelische Jakobuskirche dargestellt. Sie ist eine Marienkirche und wurde um 1300 auch für die Pilger des Jakobuswegs gebaut. Auf einer Tafel sehen wir alle Pfarrer aufgelistet von 1398 bis heute. Die „Bestallungsurkunde“ 1398 des 1.Priesters der Kirche, ein Taufteller von 1630 und eine Bibel von 1518 bezeugen die Geschichte der Kirche, an der der Ulmer Bürgermeister Johann Ehinger Patronatsherr war. Das evangelische Pfarrhaus war auch in Grimmelfingen Zentrum des Gemeindelebens. Es wird berichtet, dass der Pfarrer schon 1534 im Pfarrstadel die Schulkinder zur Winterszeit unterrichtet hat.  Vor 100 Jahren war das Pfarrhaus Treffpunkt des „Grimmelfinger Kreises“. Künstler wie Ludwig Moos und Prof. Karl Schäfer nannten das Pfarrhaus „Haus der Kunst“. Beide Künstler gründeten später die „Ulmer Schule“, aus der dann die „Ulmer Künstlergilde“ entstand.

Im „Grymolfkeller“, einem Gewölbe mit ca.1½ m dicken Bruchsteinmauern, werden dann noch die 1½ Tausend Jahre alten alemannischen Ausgrabungsstücke vom „Grimmelfinger Reihengräberfriedhof“ gezeigt   –   Krüge, Drillingsgefäß, Waffen und Schmuckstücke.

Nach 1 ½ Stunden beeindruckender Ortsgeschichte  Ausklang im Adler.

Bericht:         Peter Kolb / Helmut Kast

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