2015 Sen Gruenten

Erzgruben-Erlebniswelt am Grünten


Am 14.10.2015 machen wir 9 Senioren uns früh auf den Weg nach Burgberg am Fuße des Grünten, dem sog. Wächter des Allgäu. Hier besteigen wir an der Haltestelle Steinbruch das Erzgruben-Bähnle, welches uns bequem, aber recht „zugig“ an diesem kalten Herbsttag, etwas Schnee war bereits gefallen, auf etwa 1000 m Höhe zum Erzgruben-Museumsdorf bringt. Hier hat die Gemeinde Burgberg dem Eisenerzabbau der vergangenen Jahrhunderte ein sehenswertes Denkmal geschaffen.

Ein Grubi (Grubenführer) nimmt uns und weitere Besucher in Empfang. Fast 30 Personen lauschen seinen Ausführungen und folgen ihm danach in die für Besucher hergerichteten Gruben. Er erwähnt, wie die Alpen vor 250 Mill. Jahren durch das Zusammenschieben von tektonischen Platten dort entstanden sind, wo früher Meer war. Zeugen davon kann man in Gesteinsabdrücken von ehemaligen MeeresBewohnern wie Seestern, Seeigel, Muschel und sogar Haifischzähnen finden. Aber auch die hier stets vertikal verlaufenden Eisenerzlagerstätten (Flöze oder Klufte) konnten so entstehen.

Den Eisenerzabbau gab es im Allgäu mindestens seit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Beendet wurde er Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Siegeszug der Eisenbahn war nicht aufzuhalten. Es war inzwischen günstiger geworden, qualitativ höherwertige Erze aus Regionen mit reicheren Vorkommen heranzutransportieren, als hier weiter abzubauen. 1859 wurden die letzten Gruben stillgelegt, und viele Menschen verloren ihre Lebensgrundlage. Die Gegend wurde verlassen und ein deutlicher Anstieg der Auswanderungen nach Übersee war die Folge.

Noch im Museumsdorf sehen wir Modelle der zur Verhüttung im Laufe der Jahrhunderte benutzten Öfen und ihre Wirkungsweisen: einen Holzkohlenmeiler nebst Köhlerhütte (der Köhler bewachte Tag und Nacht die schwelende Glut), einen Rennofen aus Lehm und schließlich den Hoch-, Schmelz- oder Floßofen, welcher Schmelztemperaturen bis 1500 °C  erreichen konnte. Allerdings war der Holzverbrauch so enorm, dass ziemlicher Kahlschlag in der ganzen Region entstand. Manchmal mussten deshalb Gruben stillgelegt werden. Arbeitslosigkeit war die Folge, damals wie heute eine Katastrophe.

Die  Rundwanderung zu den drei Schaugruben wird ein herrlicher Spaziergang am Südhang des Grünten mit wunderschönen Ausblicken ins herbstliche Illertal und auf die Alpen, die sich allerdings nur schemenhaft in Dunst und Nebel erkennen lassen. Die Andreasgrube ist als reiner Tagebau von außen zu besichtigen während man die Theresiengrube durch einen 70 m langen Stollen tauben Gesteins erreicht. In die Grube einfahren heißt, dass man zu Fuß hineingeht heute natürlich nur mit Plastikschutzhelm auf dem Kopf. T-förmig verzweigen sich die Abbauspalten am Ende des Stollens, gestützt von sog. Meldehölzern, welche Bewegungen im Gestein anzeigen sollten. In einer Nische begegnen wir einem Erzknappen in seiner typischen Arbeitskleidung: gepolsterter Zipfelmütze statt Plastikhelm, Arschleder (Lederschutz für Rücken und Gesäß), sein Werkzeug, das Gezäcke, im Gürtel steckend und seinen „Grubenhunt“ (Karren) vor sich her schiebend. Dieses Schaustück, die Enge der Gänge, die funzlige Beleuchtung und, die kühle von den Wänden tropfende Nässe vermitteln deutlich, wie hart die Arbeit der Knappen war und erklären ihre besonders niedrige Lebenserwartung. Die Annagrube bietet ein ähnliches Bild. Dass alle Gruben im Allgäu nach Heiligen benannt sind, rührt daher, dass sie ursprünglich dem Erzbistum Augsburg gehörten, später den Grafen Montfort und dann den bayrisch-königlichen Hüttenwerken.

Nach zwei Stunden sind wir wieder zurück im Museumsdorf, wo wir noch einen Blick in die einzelnen sehr sorgfältig gestalteten Themenhäuser werfen können, bis uns das Erzgruben-Bähnle wieder zurück zum Parkplatz bringt. In einer bekannten Gaststätte in Schweineberg lassen wir bei gutem Essen am warmen Ofen den schönen und lehrreichen Tag ausklingen.

Bericht: Dr. Erika Püschel
Bilder: Manfred Strauß

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