2015 SHT Glockner

Top Touren ums Top of Austria


Eine Skihochtour auf den Großglockner? Vier Tage Touren satt in Osttirol? Da lässt man sich nicht lange bitten!

Früh um vier starteten wir deshalb am Donnerstag, dem 16.04. zum Tourenwochenende rund um den ‚Glockner‘, das die Besteigung von eben diesem krönen sollte. Die acht Teilnehmer hatten sich mitten in der Nacht aus dem Bett geschält. Nach einer gut fünfeinhalb stündigen Fahrt über München, Kufstein und das Salzachtal fanden sie sich am Lucknerhaus am Fuße des imposanten Großglockners tief im Osten Tirols ein. Das Berggasthaus hoch über Kals sollte für die nächsten beiden Tage der Stützpunkt sein. Nach kurzem Check-In ging es bei strahlendem Sonnenschein auf zum Weißen Knoten, einem mit 2864 Meter Höhe dankbaren ersten Ziel des Wochenendes. Die rund 900 Höhenmeter waren schnell überwunden und leider noch viel schneller waren die ersten Abfahrten über aufgefirnte, mäßig steile Hänge passiert. Am Spätnachmittag waren wir zurück auf dem 1920 Meter hohen Lucknerhaus und genossen je nach Gusto Sauna, Dampfbad, Glocknerblick oder eine warme  Suppe, die die ausgezeichnete Küche ausspuckte. Nach einem ebenso hervorragenden Abendessen gut gestärkt, bezogen wir früh die Lager.

Am nächsten Morgen warteten, wie angekündigt, die ersten Vorboten einer Kaltfront und dazu als Ziel das Böse Weibele mit 3121 Metern. Die gute Dame machte ihrem Namen alle Ehre. Neben langen Gehpassagen erwarteten uns matschiger Schnee  und in der kühleren Höhe Nebel und leichter Schneefall. Die Gipfelrast war kurz. Wir wollten das düstere Weibel schnell hinter uns lassen, weshalb uns die Böse, wie zum Trotz, mit einem kleinen Verhauer und gut 200 Meter Gegenanstieg bestrafte. Bei Regen kamen wir auf dem Lucknerhaus an und Sauna und Dusche fanden an diesem Abend mehr Begeisterte als noch am Vortag.

Am Samstag sollte laut Wetterbericht die Kaltfront mit merklichem Temperaturabfall abklingen und für Sonntag war ein strahlender Frühlingstag angekündigt. Für den Samstag planten wir also einen nicht allzu frühen Aufstieg auf den höheren Stützpunkt, die Stüdlhütte auf 2802 Metern. Anschließend sollte je nach Bedingungen der eher leicht zu erreichende Romariswandkopf mit 3428 Metern versucht werden. Auf der exponierten Stüdlhütte angekommen, empfahl uns der Wirt, die Glocknerbesteigung noch an diesem Tag zu versuchen. Die Verhältnisse seien  gut und heute im Gegensatz zum morgigen Sonntag kaum Betrieb an den schmalen Graten. 150 Gipfelaspiranten seien für den nächsten Tag angemeldet und so waren wir, auch aufgrund der weniger werdenden Wolken, schnell von seiner Idee überzeugt. Die Rucksäcke rasch umgepackt, starteten wir um 11 Uhr Richtung Adlersruhe/ Erzherzog-Johann-Hütte auf 3454 Metern. Das Ködnitzkees überquerten wir zügig und standen bei schneidendem Wind am Einstieg zum Klettersteig, der zur Hütte führt. Zweifelnd wechselten wir die Bereifung von Ski auf Steigeisen und teils scherzend, teils mit vor Kälte klappernden Zähnen stiegen wir weiter auf. An der geschlossenen Hütte wärmten wir uns kurz mit Tee und beschlossen, den weiteren Aufstieg in Angriff zu nehmen. Über eine frisch gepuderte, gut 35° steile Flanke schwangen wir uns zum Grat auf, der schneebedeckt in kurzem Aufstieg zum Kleinglockner führte. Durch Stahlstangen gut gesichert, stiegen wir in zwei Viererseilschaften  hinab zur Glocknerscharte. Von dort wagten wir über kombiniertes Gelände im zweiten Grad den letzten Aufstieg und standen gegen 15:45 Uhr auf dem zugigen Gipfel des höchsten Österreichers. Unter uns ein Wolkenmeer, über uns die Sonne und Nebelfetzen, standen wir wie in einem eisigen Meer, während womöglich zeitgleich an diesem Tag im Mittelmeer 700 Bootsflüchtlinge in ebenso eisiger Kälte ertranken. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir natürlich nichts von der Tragödie und so genossen wir mit der Seligkeit der Unwissenden unseren unverhofften und spontanen Gipfelerfolg in vollen Zügen.

Zugig war’s da oben und allzu schnell wartete schon der Abstieg über Grat, Rinne und Flanken, an der Hütte vorbei über den Klettersteig hinab zum Skidepot. Dort glänzte der Glockner im Abendlicht, von sanften Nebelmatten umgarnt. Wir freuten uns erleichtert über diese tolle Mannschaftsleistung, alles hatte gut geklappt.  Vom „Limit für Sektionstouren“ sprach der Tourenführer beim Anschnallen der Skier und zweifellos hatte es sich beim Erlebten um eine nicht ganz anspruchslose Bergfahrt gehandelt. Wetter und Gelände hatten volle Konzentration und Durchhaltevermögen gefordert.

In leichten Schwüngen ging es schließlich über das Kees zügig zur Hütte. Diese war, wie angekündigt, voll bis unters Blechdach. Umso froher waren wir also, uns nicht am nächsten Tag den schmalen Gipfelgrat mit 100 anderen Bergwütigen teilen zu müssen. Einsam und schön war‘s an diesem immer zahmer werdenden Samstag und Abendsonne und ein unbeschreiblich gutes Abendessen taten ihr Übriges für ein Gefühl von Triumph und Genugtuung.

Beschließen sollte unser Wochenende rund um die markante Glocknerpyramide der Aufstieg zum sehr viel weniger markanten Romariswandkopf. Den bestiegen wir mit einigen anderen bei strahlendem Sonnenschein, indem wir einen weiten Gletscher überquerten. Unschwierig standen wir gegen elf Uhr auf dem 3428 Meter hohen Gipfel und genossen ein Panorama, das vom Ötztal über die Dolomiten bis zum Watzmann reichte. Einige vermuteten sogar den Triglav im Süden. Die warme Sonne strahlte ins Gesicht und so verweilten wir ein wenig länger bei Gipfelschokolade und Gummibärchen. Schließlich wedelten wir zurück zur Hütte, packten unsere Rucksäcke für die letzte Abfahrt und brachen auf Richtung Tal, Grün und Frühling. Der wurde auf der Heimfahrt immer mächtiger und im T-Shirt verputzten wir bei einer Rast vielleicht das erste Eis dieses Jahres. Eine rundum schöne Tour ging zufrieden und dankbar zu Ende.

Ein Dankeschön an die Gruppe für das gute Zusammenspiel und an den Tourenführer Michael für die gelungene Wahl und die souveräne Führungsleistung. Aus der seligen Einsamkeit des höchsten Österreichers geht es wieder zurück in die Wogen und Wellen der Täler.

Bericht: Michael Brugger
Bilder: Christoph Götsch

zu den Tourenberichten 2015

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.