2015 AKT Fussstein

Aller guten Dinge sind Drei – Fußstein Nordkante


Nachdem die ausgeschriebene Tour schon zweimal abgesagt werden musste, soll es nun in 2015 endlich klappen.

Freitag, 03.07.:
Die Bedingungen scheinen sehr gut, die Wettervorhersage passt und so treffen sich sechs tatendurstige Bergsteiger am Autobahnparkplatz Illertissen zur Weiterfahrt ins Zillertal. Während der Fahrt überrascht das Gebirge mit total anderem Wetter als vorhergesagt: Die Berge sind wolkenverhangen und es sieht eher gewittrig aus. „Na, besser heute als morgen“, ist der einstimmige Tenor.  Die 980 Hm Aufstieg werden trotz dem sehr eben verlaufenden Zustiegsweg vom Gasthaus Touristenrast zur Geraer Hütte binnen 2,5 Stunden zurückgelegt. Sie erreichen trockenen Fußes die Hütte, im Gegensatz zu den vier Bergsteigern, die an der Fußstein-Kante vom Gewitter überrascht werden. Nach kurzer Planung der Tour, Einteilung der Seilschaften etc. ruft schon bald das Lager, denn um 5 Uhr ist die Nacht vorbei.

Samstag 04.07.:
Das Wetter hat sich komplett verzogen, nur eine steife Brise bläst um die Hütte.

Trotz des erst möglichen Frühstückstermins um 5:30 Uhr müssen sie leider beim Frühstück beobachten, wie vier Bergsteiger vom Tal aufsteigen, die Hütte links liegenlassen und schnurstracks dem Gletscher entgegen streben. Die Vermutung, dass das Olperer-Gesichter sind und keine grimmigen Nordwand-Gesichter, erweist sich im Nachhinein leider als falsch. So tummeln sich später immerhin sechs Seilschaften in der Nordkante. An sich nicht zwingend ein Problem, wenn annähernd das gleiche Klettertempo vorherrscht – aber hierzu später.

Der Start ist pünktlich um 6 Uhr. Auf gut markiertem Weg ist der Gletscher zügig erreicht, nun geht es am Seil weiter, Steigeisen werden erst benötigt, um durch die Spaltenzone zum Wandfuß zu queren. Obwohl der Übergang vom Gletscher an die Wand aufgrund der recht hohen Schneelage vermutlich nicht besser sein könnte, stecken sie schon das erste Mal im Stau – das sollte heute nicht das letzte Mal sein. Nachdem der unangenehm brüchige erste Aufschwung bis zu dem markanten Band überwunden ist, folgt man diesem Band quasi um die Kante herum und trifft anschließend auf den Einstieg plus Einstiegsvariante. Nun beginnt ein gigantischer Klettertag: Traumhafte 600m Plattenkletterei in bestem Granit bis auf 3.381m – meist im IV. Grad, stellenweise V-! Nach den ersten Seillängen lugt sogar die Sonne um die Ecke und wärmt die leicht eingefrorenen Füße in den Kletterpatschen.

Dieses Klettervergnügen entschädigt sogar für die extreme Wartezeit an manchem Stand bzw. am Ausstieg, die in der Dummheit einiger Menschen begründet lag – vielleicht ein hartes Urteil, aber extrem leichtsinnig und rücksichtlos war es allemal: Zwei Seilschaften aus der Gegend hatten einen Neuling im Alpinklettern dabei – in einer Pause-Tour im extremen Fels! – und entsprechend war das Klettertempo und der ausgelöste Steinschlag.

Als Abstiegsvariante wählten die Fünf den u.a. vom Hüttenwirt empfohlenen Abstiegsweg, statt der eingerichteten Abseilpiste. Noch vor drei Jahren war der Fußabstieg sehr verrufen, weil er im oberen Bereich durch eine extrem steinschlaggefährdete Rinne führte, aber inzwischen ist er in diesem Bereich verlegt worden, gut markiert und an einigen Stellen mit Abseilmöglichkeiten versehen. So ist es zwar immer noch ein weiter, anspruchsvoller Abstieg, der volle Konzentration erfordert, aber sicher die bessere Variante als 11 Mal abseilen.

Glücklicherweise war es so ein extrem stabiler Tag, so dass die vorgerückte Stunde nur insofern Sorgen bereitete, dass wir eventuell die Halbpension verpassen könnten – mir jedenfalls. Und vermutlich haben auch die für den Abend versprochenen Weinopfer den Wettergott gütlich gestimmt, denn er ließ zweimal ein Gewitter am Fußstein vorbeiziehen. Er hat uns nur ein bisschen vorgewarnt, mit entferntem Grollen, Regenschwaden, einem Blitz und dem dazugehörigen Donnergepolter.

Insgesamt ein sehr eindrucksvoller Tag! Ich denke, ich kann für alle Teilnehmer sprechen und die Tour als wirkliches Highlight bezeichnen. Vielen Dank an Tobias Bailer, für Tourenplanung, Organisation und Durchführung und herzlichen Glückwunsch auch noch mal an ihn zur 50sten Pause-Tour im extremen Fels – für mich war es erst die 2. – aber was nicht ist, kann ja noch werden …

Text: Birgit Richter
Bilder: Tobias Bailer

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